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Rheinwoche 2012 - Die Rueckkehr der Gaffel-Segler

From: Ignatios Souvatzis <u502sou@xxxxxxxxxxxxxxxxxxxx> Date: Wed, 6 Jun 2012 17:27:03 +0200
Rheinwoche 2012 - Die Rückkehr der Gaffel-Ritter
Ignatios Souvatzis, BM Argó (GER 4416)

Nach einer gewissen Durststrecke - 2011 (an der Mosel) waren wir allein unter Sprintas und ähnlichen Gefährten - meldeten sich dieses Jahr wieder zwei BM-Jollen aus Krefeld (Bernd+Uli mit Daphne und Herbert und Clemens mit Ginger). Auf mein Werberundschreiben hatte mir Jörg vom YC Gelderland eine Teilnahme fast zugesagt, konnte aber das Ruder nach dem Winterlager nicht rechtzeitig restau- oder -parieren.
Dafür meldete David aus Leverkusen und Crew mit "Pretty Woman".

Anreise und Regattaheiligabend

Wir hatten rechtzeitig den neuen Baum fertig, um das neue Segel auch angemessen fahren zu können. Was leider nicht rechtzeitig kam, waren Spibaumbeschläge, denn wir hatten einen längeren Ausbaumer bauen wollen. So fanden wir uns am Freitagvormittag auf der YCM- Steganlage in Oberwinter ein. Zwei Esse 850 aus dem Rheingau waren schon früh gestartet; wir legten gegen 11 Uhr kurz nach Liberte (mit den YCM-Piratseglern Stephan Marschall, Simon Zimmermann, Kevin Hinzen) und einem der Piraten ab. Der Wind war östlich vorhergesagt, so dass wir schon zur Anreise den Motor daheim ließen.

Wir entschlossen uns, testhalber das westliche Fahrwasser bei Nonnenwerth zu nehmen, und ich sage Euch, es ist zu Tal wirklich langsamer. Unsere Begleiter waren hinterher lange Zeit nur noch grob in Sichtweite. Eine unheimliche Begegnung der dritten Art[1] hatten wir irgendwo nördlich von Bonn: ein Motorboot in Gleitfahrt zu Berg hatte stehende Peilung, als wir auf einem langen Schlag mit Wind von Steuerboard waren; ich hielt den Kurs, stellte aber lange Sekunden keine Reaktion fest - trotz Wink- und Schallsignalen - und musste schliesslich wagen, als Manöver des letzten Augenblicks zu wenden und nach Steuerbord quer zum Rhein abzufallen. Immer noch keine Reaktion, zwei ältere Herren genossen auf dem Vorderdeck den Fahrtwind, kein Sichtkontakt zum Steuermann war möglich. Hat uns wohl gar nicht gesehen, aber dann hätte er gar nicht so schnell fahren dürfen. Leider war nur der Heimatclub sichtbar, nicht das Bootskennzeichen oder der Name. Und was sollten wir auch schon tun ohne Funk? ("Securité, Securité, Securité. Alle Schiffe, alle Schiffe, alle Schiffe. Hier das Segelboot Argó. Bei Rheinkilometer X folgendes beobachtet: Motorboot mit offensichtlich klemmendem Gaszug und gebrochener Ruderanlage in Gleitfahrt rheinaufwärts unterwegs, bitte frühzeitig und weiträumig umfahren und ggfls. beten, dass der Tank bald leer werde.")

Nunja. Der Rest der Fahrt war ereignisarm. Weder Gleitboote, Wassermotorräder noch die Frachtschifffahrt haben auch nur angedeutet, uns gefährlich werden zu wollen, und so liefen wir gegen 14 Uhr, den Piraten überholt habend, in Porz ein, bargen die Segel und legten uns an die traditionelle Mauer zur Promenade.

In Porz steppte der Bär. 130 Schiffe waren gemeldet, ein nicht kleiner Teil schon drin, der Rest kam nach und nach. Auf der Wiese vor dem Clubheim trafen wir Chris und Martin aus London, die dort ihre X1 zeigten; direkt daneben einen Sponsor, der Fahrzeuge mit viel Anhängelast und guten Sitzversenkmöglichkeiten (zur Vergrößerung des Stauraums) zeigte. Dieter ließ sich zeiteweise als Gespanneinweiser an der Kreuzung anheuern. Später verköstigten wir uns am Clubstand, und klönten hier und dort. Ich wollte eigentlich früh ins Bett, um zur Regatta frisch zu sein, blieb aber doch etwas lang hängen, und wurde auf einmal von einem Geburtstagsständchen der halben Piratencrews überrascht und musste eine Menge Hände schütteln.

1. Tag - Porz-Lörick

Aufwachen, zusammenpacken, Taschen auf's Begleitschiff mitnehmen, Frühstücken. Dieter verschwand kurz und kam mit einem Kuchen und einer Flasche Sekt wieder. Damit versuchte ich gerade die Konzentration der anderen BM-Segler zu sabotieren, als der RGM-Vorsitzende, Jan Kochen, das Wort ergriff und erstmal noch ein Geburtstagsstänchen für mich dirigierte. 200 Leute... das bin ich nicht gewohnt.

Und dann ging's nach einer kurzen Besprechung mit Beiträgen von Wasserschutzpolizei in die Boote. Der Start war, dank Ostwind, ausnahmsweise direkt am Porzer Hafen. Danach hatten wir alles von 0 bis 5, die ersten drei Stärken von überall her, der Rest tendenziell von vorn. Es war alles dabei, auch Wenden, die dank Dreher kein Ende nahmen, etc. Wir konnten uns irgendwann absetzen und beharkten uns nur noch mit einzelnen Jollenkreuzern von der vorletzten Startgruppe und Sprintas und Shark24 von unserer.
Bei einschlafendem Wind kam dann Bernd wieder nahe, so dass wir bis Hitdorf noch etwas Arbeit hatten, um vorn zu bleiben.

Nach dem Mittagessen wieder los... als letzte Startgruppe hatten wir den Nachteil, dass das Begleitschiff auch versuchte, 'rauszukommen, nur war kein Durchkommen, und es zog sich erst einmal wieder zurück. Blöderweise bei unserem Start, und wir nebst drei anderen Booten, die noch nicht durch den Nehrstrom waren, wurden vom Bugstrahlruder in Richtung Ufer zurückgedrückt. Zum größten Teil ging's gut, aber eine Shark drehte sich Bug zu Berg und trieb rückwärts am Ufer entlang, bis sie sich schließlich motorisiert von einem unterhalb angeschütteten Kieshaufen retten mußte.

Irgendwo holten wir sogar einen Piraten fast ein...

Der Wind nahm rechtzeitig zur Durchquerung von Düsseldorf zu, so dass wir eine kräftige Kreuzstrecke hatten - und nahm ebenso dann oberhalb der Theodor-Heuss-Brücke wieder ab, wo ich beim Ausguck nach achtern schließlich den Backbord-Zielposten entdeckte.

Die Einfahrt nach Lörick ist relativ eng und windgeschützt. Auf dem Deichkopf winkte schon mein Sohn - Familie und Freunde waren in zwei Autos nach Lörick gekommen und hatten ein kleines Picknick mitgebracht. Wir wurden weiter und weiter gewunken und landeten schliesslich auf dem allerletzten schwimmenden Stegplatz - Bugleine, Heckanker um einen Baum gegenüber, Spring zum Nachbarn... nur ein Finn lag noch 2 m weiter auf's Ufer hochgezogen. Noch ein 1. Platz, wenn auch ziemlich geschafft.

Picknick, Duschen, Klön - (die Löricker feierten ihr 75-jähriges), und schliesslich in den wohlverdienten Schlafsack.

2. Tag - Lörick-Wesel

Sonntag früh ging's nach dem Frühstück weiter. Der Wind war auch ein Spätaufsteher, so dass wir mit einer Startverschiebung von einer Stunde beglückt wurden. Auch später blieb er etwas milder, jedenfalls mit weniger heftigen Böen und blieb in der Kuschelzone für BMs. Wir verteidigten erfolreich unsere Führung und konnten in Ruhrort als etwa siebte an einem Päckchen festmachen. Zur Stabilisierung brachten wir einen Anker aus - das sollte sich später noch als vorausschauend erweisen.

Eilig hatten wir gegessen und uns beim RYC ein kaltes Getränkgegönnt und eilten schon wieder zurück, da sahen wir die drei Innenlieger sich aus dem Päckchen lösen. Zurück blieben vier Boote aus der 6. und 7. Startgruppe, teils besetzt, der innerste mit dem Außenborder und unsere BM mit dem Anker das Päckchen haltend. Und nun? Nach etwas suchen fanden wir eine größeres Boot, das uns beim Auslaufen mitnahm und längsseits absetzte; dann lösten wir uns nach Absprache von dem Päckchen, setzten die Segel und kurvten bis kurz vor dem Start.

Die Startgruppen vor uns schienen verzögert zu sein - einer der frühen Starts muss wohl wg. eines Schubverbandes verschoben worden sein, und damit alle späteren. Welcher Start aktiv war, konnten wir aber nicht erkennen - der Startmast war von der Hafenmündung aus im toten Winkel. Also 'raus auf den Strom... und tatsächlich:
Start, und unsere Startflagge ging hoch! Wir hielten uns mit einigen Manövern etwas oberhalb der Startlinie, gingen 20 Sekunden vorher an den Wind und hatten doch noch einige Boote vorn - Schuß, Hupe, und X ging hoch. Wir konnten es nicht sein. Hans M.s Shark24 drehte zu Berg. Bernd schien schon unterhalb von Hans gewesen zu sein, reagierte aber nicht und erzählte uns abends, dass er erst beim Schuß vorbeigezogen sei. Los ging's, hinter Bernd her. Es sah nach einem Kreuzduell aus, wie in den vergangenen Etappen zwischendurch schon... aber da waren wir irgendwo noch weiter innenkurvs (östlich) als Bernd vor uns, der zu einem Holeschlag wendete. Mein Vorschoter sagte: "Weiterfahren, den Pfeiler schaffen wir!" - ja, es passte, und trotz geringerer Strömung waren wir eine Wende von Bernd später plötzlich gut 100m weiter. Das machte es natürlich einfacher - keine Abwinde von Bernd mehr, keine taktischen Wenden (jedenfalls nicht ihm gegenüber), nur Vorsprung halten und gglfs. ausbauen, bzw. in das nächste Feld hineinfahren. Im Laufe des Nachmittags wurde der Wind - flussbiegungsbestimmt - immer raumer, dafür aber schwächer; Bernd kam wieder etwas näher, blieb aber letztendlich bis Wesel komfortabel weit weg.

In Wesel am Abend (50 Jahre YCW) gab's nur kalte Duschen (jedenfalls waren die freien Duschen kalt; für Ortsunkundige: 1. Duschraum Damen, 2. Duschraum Herren mit zwei kalten Duschen, und ein 3. Duschraum neutral (ich habe den vor Jahren mal getestet) war leider in Gebrauch. Nunja, ich musste ja keinen Rheinschlick aus den Haaren spülen.

Später am Abend hatte ich Gelegenheit, mir von Chris und besonders Martin in die Geheimnisse des Themsesegelns (und des Three River Race[3]) einweihen zu lassen. Muss ich auch mal probieren - zumindest ersteres.

3. Tag Wesel-Rees

Auch der Weseler Start war relativ dicht an der Hafenmündung. Wieder kein Frühstart, der Wind insgesamt schon etwas schlapp, aber wir kamen gut durch. Der Zieldurchgang war aus PR-Gründen vor der Reeser Rheinpromenade; von da aus sind's noch 2 Kilometer bis zur Einfahrt in den Mahnensee. Wir warfen kurz vor'm Clubhaus des SCG den Anker - doch, unsere Ankerleine ist lang genug - und machten das Boot zum Auskranen fertig. Dann paddelten wir an den Steg, brauchten überflüssiges schon ins Auto, peilten die Lage, brauchten dasGespann näher an die Zielgerade der Anfahrt zu Kran, und gingen
erst einmal zur Preisverleihung.

Die Preisverleihung war in mehrfacher Hinsicht unterhaltsam. Karlheinz "Mecki" Albrecht, der in den letzten 7 Jahren (bis auf einmal, wo er nicht da war) alle Etappen- und den Gesamtsieg bei den Kielzugvögeln im Abonnement hatte, wurde ausnahmslos von Jan Beyer/Stephan Loosen vom YCM auf den 2. Platz verwiesen; das hatte sich bei den Tagespreisen schon abgezeichnet. Unser neu-im-Kielzugvogel-Team, Claudia Landmann am Steuer und der YCM-Vorsitzende Bendix Landmann an der Vorschot des Clubkielzugvogels, hatten viel Spaß, auch wenn es nur für den 6. Platz gereicht hat.

Helge von der Linden, 2. Vorsitzender der Regattagemeinschaft - mit seiner Blackbird immer ziemlich vorne bei Yardstick < 110 - musste sich von einem neu gebauten, nie auf dem Rhein gesegelten, teils mit von einer Schülercrew gesegelten zweiten Blackbird auf den 4. Platz verweisen lassen. (Aber deren Skipper ist Udo Höpkens aus Wesel, aus vergangenen Jahren als BM-Segler bekannt - die wissen, wie's geht :-) Bloß zweite wurde die X1-Jolle von Ingram/Dixon vom London Corinthian Sailing Club, erster ein Schwertzugvogel vom Segelklub Bayer Uerdingen mit Frank Suchanek und Karten Idel.

Max Fröhlich und Simone Schütten vom Club für Wassersport Porz gewannen die Yardstickgruppe >=110 auf einem 420er. Simone ist relativ klein gewachsen und hat sich ihr jugendliches Aussehen bewahrt - 2007 trat sie noch bei der Opti-Glocke-Regatta des YCM an - und so war Jan Kochen etwas verlegen, da er glaubte, ihr eigentlich nicht den Wanderpreis der Yardstickklasse überreichen zu dürfen (die "Vorratsbuddel", wird mit einem (alkoholischen) Getränk gefüllt überreicht und muss zur nächsten Rheinwoche wiederbefüllt wieder abgegeben werden. Aber sie ist tatsächlich dieses Jahr volljährig, wie sie ihm verriet.
Das Blaue Band ging an Franz Schollmayer & Crew vom Segelclub Rheingau auf einer Esse 850, die anderen beiden waren dicht dahinter, die X1 erst auf dem 4. Platz - und das blassblaue (Summe berechneter Zeiten) an Frank Suchanek/SZV (vor der X1).
Ach ja, und wir bekamen ausser dem Preis für den Gesamtsieg bei der BM auch einen Sonderpreis für die erste Überweisung der Meldegebühr.